Monteverdis L’incoronazione di Poppea

Jubiläumsedition zum Vierzigsten: Die Salzburger „Poppea“ mit Les Arts Florissants in Ton und Bild

Seit nunmehr vier Jahrzehnten sorgt das Ensemble Les Arts Florissants unter Leitung seines Gründers William Christie für maßstabsetzende Aufführungen Alter Musik. Mehr als 100 CDs haben die französischen Musiker veröffentlicht, darunter jede Menge Ersteinspielungen von Werken des 17. Jahrhunderts. Zum runden Jubiläum gibt es ein besonderes Geschenk: die Liveaufnahme von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ von den Salzburger Festspielen 2018.

William Christie sitzt persönlich am Cembalo, sein Ensemble ist gut sichtbar als Teil der Szenerie auf der Bühne positioniert. Mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit führt Christie durch den langen Abend – Zeichen muss er kaum geben, das Ensemble ist bestens eingespielt. Das Geheimnis liegt hier in der überbordend besetzten Continuogruppe: Elf Musiker spielen in wohldurchdachter Abwechlung die vielen Bassinstrumente und sorgen in den langen Rezitativen und Szenen für die farbige Grundierung des Gesangs.

Ungewöhnlich erscheint zunächst die Besetzung des Nerone durch eine Frauenstimme. Wenn man jedoch dann der Mezzosopranistin Kate Lindsey eine Weile zuhört, kann man nur staunen, wie überzeugend und differenziert sie diesen machtgeilen Herrscher musikalisch umsetzt. Aber auch die anderen Stimmen bewegen sich auf höchstem Niveau: Sonya Yoncheva als brillant selbstbewusste Poppea, Stéphanie d’Oustrac als enorm emotionale Ottavia und Altmeister Dominique Visse in der komischen Rolle der Amme Arnalta.

Beigefügt ist der Aufnahme auch eine DVD, auf der man sich den kompletten Salzburger Opernabend ansehen kann. Besonders erquicklich ist das nicht, da der Regisseur Jan Lauwers hier vor allem seine Tanzkompagnie in Szene setzt, die mit quasi ununterbrochenen Körperdrehungen auffällt – wohl als Symbol einer aus den Fugen gerateten Welt. Immerhin: Die Sänger werden weitgehend in Ruhe gelassen, was zu einer konzentrierten und kaum von Bühnengeräuschen beeinflussten Aufnahme führt. Fazit: Eine klangprächtige neue „Poppea“ von einem 40 Jahre jungen Ensemble, die man sich besser anhören als ansehen sollte.