Lieder von Franz Xaver Sterkel

Charmante Liedkunst um 1800: Kompositionen von Franz Xaver Sterkel

Franz Xaver Wer? Selbst in einschlägigen Fachkreisen zählt Franz Xaver Sterkel, der einstige Kapellmeister an den Höfen von Mainz und Aschaffenburg, nicht gerade zu den führenden Bekanntheiten. In etlichen wissenschaftlichen Büchern kann man zwar nachlesen, wie bedeutsam seine Rolle für die Entwicklung der deutschen Liedkunst vor Schubert war, doch wer macht sich die Arbeit, ausgewählte Werke Sterkels einzuspielen? Die bisherigen Sterkel-CDs kann man jedenfalls an einer Hand abzählen. Jetzt sind die Sopranistin Julla von Landsberg und der Tenor Jan Kobow zur Ehrenrettung Sterkels angetreten und haben eine ganze CD mit seinen Liedern veröffentlicht.

Mit rund 400 Liedern, die Sterkel etwa zwischen 1785 und seinem Tod 1817 in zahlreichen Sammlungen veröffentlicht, war er einer der produktivsten Komponisten in dieser Gattung. Vertont hat er dabei Texte der verschiedensten Dichter, von Lessing, Goethe und Herder bis hin zu weitgehend unbekannten oder gar anonymen Autoren. Überwiegend als Strophenlieder angelegt, liegt der große Charme dieser Kompositionen in ihrer Schlichtheit und guten Fasslichkeit. Die Gesangsmelodien sind ausdrucksstark und überaus vielfältig, aber doch immer gut nachvollziehbar; wobei die instrumentalen Begleitstimmen auch eigene pianistische und gitarristische Akzente setzen.

Sowohl Julla von Landsberg als auch Jan Kobow haben ideale stimmliche Voraussetzungen für diese Art des Liedgesangs. Die schlichten Sterkel-Sätze werden nie mit Effekten überladen, sondern rein und klar gesungen; die Textverständlichkeit ist sehr gut. Und wenn es doch mal dramatisch (etwa “Philint an Suschen”) oder traurig wird (“Erinnerung des 15ten May 1793”), dann vollziehen das die beiden Stimmen immer adäquat mit. Zugute kommen diesen beiden Sängern aber auch die Begleitinstrumente: Sylvia Ackermann spielt auf einem weitgehend original erhaltenen und aufwändig restaurierten Tangentenflügel, der chamäleonartig seinen Klang wandeln kann, und Thomas Höhne beweist mit hohen Spielfertigkeiten, dass originale Gitarrenliedbegleitung eine außergewöhnliche Kunst ist.